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Unsere Sanktionen gegen die russische Bevölkerung stärken Putin.

14.03. 2022

Die russische Bevölkerung fühlt sich vom Westen akut betrogen und bedroht. Der boykottiert praktisch über Nacht die komplette Wirtschaft, stellt die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Alltagsgütern ein und bringt das Finanzsystem zum Erliegen. Nun ist der Westen der gemeinsame Feind – für Putin und die Bevölkerung.

Wir im Westen wissen, wieso diese Sanktionen so wichtig sind, und was wir uns von ihnen versprechen. Das Ende der Exporte nach Russland soll das Lebensniveau der Bevölkerung so drastisch verschlechtern, dass sie ihre Angst überwindet und Putin zum Frieden zwingt. Oder das System am Ende eines langen Siechtums implodiert. Doch danach sieht es nicht aus.

Denn wie erleben die Menschen in Russland diese Sanktionen, in einem Land mit staatlichen Propagandamedien und ohne Zugang zu westlichen Informationsquellen? Ihre Regierung und Armee befinden sich ab 24. Februar in einer militärischen Auseinandersetzung mit dem eng verbundenen Nachbarland, der Ukraine; Schock, Entsetzen, Angst um Angehörige dort.
Fast gleichzeitig startet der komplette Westen, nicht nur Europa, auch die USA, gefühlt die NATO, eine unvorstellbare Boykottoffensive und nach nur 1 Woche liegt die russische Wirtschaft am Boden. Die Währung verliert massiv an Wert, die Börsen sind geschlossen, Gazprom & Co. nur noch Pennystocks. Wegen eines russischen Konfliktes mit einem Nachbarland? Wegen der kleinen Ukraine? Ganz spontan? Das kann hier niemand glauben. Wie Moskauer Freunde berichten, wirkt das für die Menschen wie ein sorgfältiger Plan, um „die russische Wirtschaft zu zerstören“, aus rein ökonomischem Interesse, ein langfristiges Ziel, dem der Krieg als willkommener Vorwand dient.
Doch nicht nur auf die Wirtschaft scheint der Westen abzuzielen, nein, auf die gesamte Bevölkerung. Nur eine weitere Woche später funktionieren die Kreditkarten nicht mehr, innerhalb von 2 Wochen stehen die Menschen vor teilweise leeren Lebensmittelregalen. Das ist ein existenzieller Schock. All das geschieht ohne jede Kommunikation – ohne Vorlauf, ohne nachvollziehbare Begründung, ohne Hinweis auf die Dauer. Ein frontaler Angriff des Westens auf die russische Bevölkerung, auf Russland, so empfinden sie es. Wovor Putin immer gewarnt hat. Nun sind sie alle zuerst Russen, die ihr Land verteidigen. Und genau das Gegenteil wollen wir erreichen!

Erweist es sich wirklich als der richtige Weg zum baldigen Frieden für die Ukraine, wenn wir die komplette russische Bevölkerung aus dem Ausland so massiv unter Druck zu setzen, nicht nur die kleine reiche Oberschicht, sondern auch die vielen armen Rentner, alleinerziehenden Mütter, jungen Familien?

Heike Adam ist Jahrgang 1970, in Ostberlin aufgewachsen, hat ab 1990 an der Humboldt-Universität zu Berlin BWL studiert und ihr Leben bisher je zur Hälfte in Ost und West verbracht. Russland und die Ukraine hat sie bereits als Jugendliche erstmals besucht und ist beiden Völkern durch berufliche und persönliche Kontakte und Erfahrungen sehr verbunden, steht aktuell mit russischen Freunden in engem Kontakt.
Über 50 Länder auf allen Kontinenten hat sie privat und beruflich bereist, war bei Krisen vor Ort, spricht 5 Sprachen, u.a. Russisch. Sie hat hautnah erlebt, wie Menschen in verschiedenen Systemen und Kulturen agieren, durch das Leben in der DDR und ihr soziales Engagement weiß sie um Denken, Empfinden und Verhalten von Menschen in der Breite der Gesellschaft. Heute unterstützt sie Unternehmen und Organisationen in Krisen darin, gezielt die Perspektive zu wechseln, zu 100% aus Kunden- bzw. Betroffenensicht zu schauen. discovering-potential.com

Heike Adam

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